Die Angst des Torwarts vor dem Elfmeter

Viele mittelständische Auftraggeber trauen Designern nicht. Und geben das Design vor. Meist gräuliches, welches nicht im Mindesten zu ihren Zielen passt und, schlimmer noch, ihre Ziele sabotiert.

 

Weil sie entweder noch nie mit solchen zusammen gearbeitet haben. Oder weil sie schon mit welchen zusammen gearbeitet haben.^^

Ich selbst hörte schon furchteinflößende bis sehr interessante Geschichten. Vom Flash-Designer, der Termine ignorierend kurz nach Auftragsannahme gemütlich in den Urlaub verschwand, bis hin zur Designerin, die nach den ersten Kontaktgesprächen unbedingt alles „edgy“ wollte und auch schon ungefragt (?) unbezahlte edgy-hafte Entwürfe anlieferte.

Im ersten Fall würde ich, wenn ich der Auftraggeber wäre, auch nicht wollen, dass einst gemeinsam vereinbarte Timelines einfach arrogant unterlaufen werden. Im zweiten Fall nicht, dass bevor nicht ein Briefing und ein Re-Brief vorliegt, mir mich eventuell überfordernde oder gar schockierende fertige Visualisierungen angedient werden.

 

Meine Branche ist ein wunderlicher Ponyhof, zugegeben.

-> Kunden haben Angst vor diesem Kontrollverlust.

Mit diesen Kundenängsten bin ich konfrontiert und muss in Erstgesprächen und Angeboten damit umgehen. Kein leichter Markt: Misstrauen, Ängste, vor allem Angst vor Kontrollverlust in ihrem enggetakteten Business spüre ich bei den mittelständischen Kunden. Natürlich sagt das keiner so direkt, sondern überspielt das geschickt. Wer im Business kann sich schon leisten, Angst zu zeigen? Man will ja alles unter Kontrolle haben. Doch ich höre es.

An typischen Argumenten wie:

„Ich will zum Festpreis so lange Entwürfe haben, bis mir einer gefällt!“

„Ich gebe Ihnen genau die Bilder und die Texte vor, die wir uns vorstellen. Sie sollen sie dann nur noch optimieren!“

„Schließlich ist es mein Produkt, dazu will ich stehen können. Also bestimme ich, wie alles auszusehen hat!“

 

Klingt vernünftig, oder?

Nein! Das ist leider nicht vernünftig.

Weil es auf der einen Seite zeigt, wieviel absolute Kontrolle jemand verständlicherweise haben will, weil es sein Geld ist – und auf der anderen Seite zeigt, wie wenig er von dem unschätzbaren Wert der Expertise eines erfahrenen Designers und eines guten gemeinsamen Briefings versteht.

Wie viel er vielleicht von fertigen Schrauben, aber wie wenig er von optimalen Gestaltungsprozessen versteht.

Welche dem Auftraggeber viel bessere Ergebnisse liefern können, als seine eigenen engmaschigen, den Kreativen blockierenden Bild-Vorgaben es je vermögen.

 

Zuerst einmal, um die beiden obigen Negativ-Beispiele aufzugreifen: THE MISSING LINK respektiert Timelines, besteht sogar auf der verbindlichen Vereinbarung von solchen. Wir sind so sozialisiert, dass wir dies für wichtig und für ein Zeichen von gegenseitigem Respekt halten. Zweitens liefern wir nie nach erstem Palaver bereits unverlangt wilde Designs oder Ideen. Das ist zum einen Schrotschießen ins Blaue. Solange nicht klar ist, welches Design wirklich richtig ist. Zum anderen ist es eine Form der Kundengewinnung, der wir uns bewusst nicht anschließen. Weil sie teuer ist (unbezahlte Zeit- und Materialinvestition) und wir das dann unser anderen Kunden wieder reinbezahlen lassen müssten. Stichwort nachhaltige und ethische Betriebskalkulation. Und weil es uns unter Wert verkauft, ganz einfach.

 

Jetzt zu: „Ich will zum Festpreis so lange Entwürfe haben, bis mir einer gefällt!“

 

Klartext:

Warum die Zahl der präsentierten Entwürfe nichts über die Kreativität und den Wert des Designers aussagt.

Oft reicht ein Entwurf!

Kunden, die bisher wenig Erfahrung mit Designern haben, verunsichert das enorm und es weckt bei ihnen Zweifel am Designer. Nur wenige Entwürfe liefern zu wollen hat jedoch nichts mit Mangel an Kreativität oder mangelndem Leistungswillen zu tun, sondern ist ein Zeichen von Erfahrung:

1. Ein Grafikdesigner, der viele-viele Entwürfe vorlegt, beweist eher Unerfahrenheit, Entscheidungsschwäche oder auch Faulheit.

Denn er will oder kann nicht: in seiner stillen Klause alles das aussortieren (= evaluieren), was für Sie den Auftraggeber im Briefing als nicht-relevant definiert ist.

2. Jede Entwurfspräsentation an den Kunden sollte bereits zugespitzt sein, also das Ende eines Aussortierungsprozesses darstellen. Nicht seinen Anfang.

 

Warum dies: Es standen ja bereits Analyse, Recherche und Zieldefinitionen fest wie

• Was macht der Wettbewerb?

• Wie ist die Ausgangssituation beim Auftraggeber?

• Wie ist er bis jetzt aufgetreten?

• Was und wen will der Auftraggeber mit seiner Maßnahme, seinem Design erreichen?

• Usancen, Besonderheiten: Was geht in seiner Branche gar nicht?

• Erforderliche Tonality, erforderliche Stilmittel, Handschrift des Designers, Handschrift festlegen der erforderlichen Illustrationen und Infografiken

• Etc.

Und viele weitere Punkte, die den inhaltlichen und gestalterischen Rahmen abstecken.

Bei THE MISSING LINK geht das so:

In-house werden von uns eine Unzahl von Scribbles angelegt. Ziel ist es, in geschütztem Raum ausprobieren und in verschiedene Richtungen denken (divergierende Kreativität). Anschließend wird von uns mitleidslos bis auf ein, zwei Linien anhand der dafür relevanten Briefingpunkte evaluiert = stark selektiert und die Selektierten noch ein wenig optimiert (konvergierende Kreativität).

Nur wer es bis dahin als Entwurf geschafft hat durchzukommen, der wird an den Kunden präsentiert. Nach Feinabstimmung mit dem Auftraggeber wird der eine Favorit dann druckfreif perfektioniert.

Und wenn Ihnen die vorgelegte Lösung nicht richtig erscheint?

Ein erfahrenes Büro, das sich mit Ihren Zielen und Ihrem Unternehmen mehr als ausreichend auseinandergesetzt und mit Ihnen ein angemessenes, aussagekräftiges Briefing gestemmt hat, findet Ihr richtiges Design. Die letzten Meter sind erfahrungsgemäß nur noch Feinjustage. Bei ganz misstrauischen Neukunden kann man als Designer hergehen und im Werkvertrag gemeinsam mit dem Kunden zu dessen Sicherheit festlegen, was dann zu tun ist. Was geschehen soll, wenn wider Erwarten doch keine Lösung gefunden wurde.

 

Das auch noch: Branchenkritik

Ein Gestalter, der entscheidungsfaul unzählige, den Prüfprozess nicht durchlaufen habende, daher unpassende Entwürfe vorlegt, verweigert eigentlich Beratung. Statt im Vorfeld sorgfältig zu arbeiten und auszuwählen, um Ihnen eine und zwar die richtige Lösung zu verkaufen, bekommen Sie einen ungeordneten Haufen unpassender oder auch zu braver Lösungen präsentiert. Manche sind auch noch keine echten weiteren Ideen, sondern nur ermüdende Variationen der vorhergehenden Idee. Es ist nicht Ihre Aufgabe, dem Designer bei dieser Qualitäts-Evaluation, der Qual der fachlich richtigen Wahl zu helfen. Dann machen Sie seinen Job, erledigen Sie seine fachlich notwendige Arbeit. Sondern umgekehrt: Er muss das machen. Wegen seines Wissens, seiner gestalterischen Erfahrung und Stilsicherheit hatten Sie ihn doch beauftragt.

 

Zur Auftraggeber-Aussage: „Ich gebe Ihnen genau die Bilder und die Texte vor, die wir uns vorstellen. Sie sollen sie dann nur noch optimieren!“


Wenn ich als Auftraggeber eben Angst habe, vom Designer vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden!

Es kann die Angst sein, dem Designer nicht oder nicht ausreichend kommunizieren zu können, auf was es Ihnen ankommt.

Wenn Sie das Thema Briefing grob vernachlässigen und nur ein dürres, vages Briefing ohne klare Beschreibungen von IST und SOLL abliefern, dann haben Sie leider wirklich nicht ausreichend kommuniziert.

Lösung: Da ein gutes Briefing nicht immer ganz leicht ist, und Ziele dem Kunden nicht immer ganz klar sind, helfe ich beim Briefing wo ich kann. Mit Fragen, Rückfragen, gestützten Aufzählungen, geschlossenen und offenen Fragen, Erinnerungs-Checklisten, spezielle Checklisten nur für Logodesign oder und auch für Packaging und viel mehr.

Anschließend auch mit einem fundierten Re-Brief an Sie und Ihre Möglichkeit, in einer anschließenden gemeinsamen Diskussion noch offene Fragen zu klären und mit einer anschließenden Unterschrift das Endbriefing freizugeben. Vorteil: Es ist Erkenntnis-gereift und damit eine um Meilen bessere Arbeitsvorlage als beliebige dem Designer zugemailte Bildchen. Man sollte einem solch gereiften Briefing eine gewisse Reifungszeit zugestehen.

 

Wenn ich der Kunde mich aber nur mit Bildchen ausdrücken kann! Eben ein visueller Typ bin!

Lösung: Dann können wir gemeinsam mit Ihnen alle inhaltlichen Anforderungen vor Ort hinskribbeln und das Briefing von A wie Ambient-Werbeidee bis zu V wie Vertriebsunterlagen in Bildern= in Bleistift- oder Filzstift-Skizzen mitschreiben. Sie dürfen uns Ihre Anforderungen auch vorsingen, wenn Sie ein auditiver Typ sind. Oder vortanzen. Das erspart Ihnen, dem Auftraggeber, das einsame Googeln von doch nicht ganz passenden Web-Fundstücken (große Gefahr dieser Web-Fundstücke, dass Sie Gestaltungselemente vorhandener fremder Brands kopieren und dem Grafiker aufs Auge drücken, welcher diese vielleicht als 1:1-Anweisung versteht und dann fälscht).

Und es erspart Ihnen das elendige einsame Verfertigen von rein Schriftlichem. THE MISSING LINK sendet Ihnen das als Gesprächsreport zu. Er ersetzt Ihr schriftliches Briefing, es ist Ihr schriftliches Briefing. Der anschließende Re-Brief kommt dann von uns wie gehabt, s. o.

Weitere Lösung Step-by-Step-Reporting: Als Designer berichten wir im Re-Brief, welche grafische Gangart und Idee wir nach Sichtung der Dinge als Fachleute für die beste halten und skizzieren sie als Stift-Skizze – im Re-Brief bereits – an. Der Auftraggeber kann dann dazu Stellung nehmen, das mittragen oder wenn nicht, dann seine Anmerkungen drauf malen. Wissen, was einen etwa erwartet und später: warum es zu genau dieser Gestaltungslösung gekommen ist. Transparenz. Damit entsteht Vertrauen in die Arbeit des Designers.

 

Wenn Sie sagen: „Schließlich ist es mein Produkt, dazu will ich stehen können. Also bestimme ich allein, wie alles auszusehen hat!“

Das bestimmen Sie doch, s. o. . Siehe alles, was eben geschrieben wurde, alles, was Sie eben gelesen haben. Wenn Sie Ihr Designbüro ausreichend und nachvollziehbar briefen und mit dem Büro auch sonst in einem guten Dialog bleiben, dann sind Sie Herr Ihrer Dinge!

Und in einem erfahrenen Designbüro entwickeln Ihnen die Design-Fachleute in dem von Ihnen mitgetragenen Prozess die bestmögliche Lösung dazu! Sie, der Unternehmer machen am besten: Ihre Regale und Ihr Designer macht am besten: das Design. Er kann keine Regale und Sie nicht das Design.

 

Falls Sie immer noch nicht überzeugt sind,

dann konnten wir Sie nicht überzeugen. Wir sollten besser nicht zusammenarbeiten.

 

Sie haben sich wie diese 3 Typen (Mischtypen inbegriffen) nur für die zweitbeste, machmal sogar für die schlechteste Lösung für Ihr Baby entschieden:

Typ 1, Der Kunstliebhaber

Der hat sich einfach in eine gewisse Optik bestimmter vorhandener Brands verliebt, die er oft auch aus Prestigegründen für sich unbedingt so haben will. So sieht er sich eben. Auch wenn Ihm vielleicht schon drei oder gar vier Designbüros gesagt haben, dass diese Optik für sein Wohnzimmer-Sofa sicher super passt, doch für seine innovations-frohe Zielgruppe zu oldschool oder für seine spitze Positionierung zu breit oder zu misleading ist. Also nicht so gut geeignet ist und es Besseres gibt. Sie wollen es einfach, sie brennen dafür, Zielgruppe oder Positionierung hin oder her, es ist Ihnen egal. Na gut.

Typ 2, Der Mikro-Manager

Er ist meist ein Inhaber, oft auch einer aus dem Management größerer Firmen, mit extremem Herzblut. Der nichts aus der Hand geben kann und will. Oft neigt er bei seinen Mitarbeitern zu starkem mikro-Managen statt zum vertrauensvollen Delegieren an seine Fachleute. Angst vor Kontrollverlust. Er sitzt selbst nachts noch im Büro und erledigt deren Aufgaben, die diese Lausebengel in seinen Augen wieder mal nicht zufriedenstellend ausgeführt haben. Er hat kein Vertrauen zu ihnen. Er wird auch kein Vertrauen zum Designer haben.

Typ 3, Der Religiöse

Der ist oft ein Gründer, der sein Geschäfts-Baby unbedingt selbst kreativ gestalten will. Einwände, dass ein solches One-Idea-Inhaber-Design eine hohe Chance hat, danebenzugehen, weil es betriebsblind ist – Einwände, dass noch happige Anfangs-Marketingdenkfehler drin stecken (Wettbewerb nicht analysiert, Zielgruppe nicht verstanden, oder Zielgruppe existiert so nicht oder zu klein …), das Design dazu also von Beginn an fehlgesteuert ist, kann und wird er nicht gelten lassen. Schließlich muss man nur ganz fest an sein Geschäftsmodell glauben, nicht wahr. Das erzählen die Coaches auch. Der feste Glaube zählt allein, nur dann kommt man in den Unternehmerhimmel. Der befreundete Designer, Seelendoktor und Beichtvater (andere dürften eh kaum in die engere Wahl kommen) hofft und zittert inständig mit, eine andere Wahl hat er schließlich nicht.

 

 

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