Oder anders: Wie Designprojekte garantiert scheitern.
Eine Anleitung mitten aus dem Designbüro in 3 Schritten.

… und am Schluss:
Wie man als Auftraggeber und als Designbüro sein Designprojekt zum Erfolg führt.

 

Chaos, viel Ungeklärtes, Unsicherheit ist bei kreativen Projekten noch häufiger als bei IT-Projekten. Hohe Kreativität ist von beiden Seiten fälschlicherweise oft als „völlig normal“ mit Chaos/Unordnung/Regellosigkeit assoziiert. „Es ist irrational, das muss etwas Kreatives sein!“ Diese Einstellung rächt sich.

Einige vielversprechende kreative Projekte enden in der Sackgasse. Versäumnisse, überschießende oder falsche Erwartungen von beiden Seiten fahren sie an die Wand oder killen sie ganz.

 

Bei manchen Projekten war von Anfang an der Wurm drin, weil sie diese drei Schritte des Scheiterns streng beachteten:

 

1. Schritt: Unsicherheit. Der Designer hat kein Selbstbewusstsein und stellt dem Auftraggeber kaum Fragen. Und legt schon mal brav los.

 

Fragen wie:

 

Was macht Sie/Ihr Unternehmen anders?

Was hebt Sie von all den anderen Unternehmen ab, die die gleichen oder die ähnliche Dinge anbieten?

Hier braucht es eine solide, belastbare Antwort von Ihnen an den Designer und Texter, an die Designagentur. Machen Sie kein Spiel oder Geheimnis draus, welches diese dann per sofort zu liefernder Gestaltung zu erraten hätten. Kreative verfügen nicht über Telepathie.

Nur wenn diese Sie vorher verstanden haben, können sie Ihre besondere Unternehmenskultur verinnerlichen und begreifen, wie Sie sich im Service, Produkt, Arbeitswelt und Herangehensweise von anderen unterscheiden.

Denn genau das muss sich dann in der Textkonzeption und der Gestaltung des Designbüros widerspiegeln.

Dass Designer und Texter das fragen, dass eine Designagentur dazu Antworten einholt, ist immens wichtig. Nicht lästig oder frech oder unnötig. Im Gegenteil: Es ist ein gutes Signal, dass sie ihren Job verstehen und von Anfang an gut machen. Nur Stümper oder Blender fragen nichts.

Die Konsequenz: Werden keine klaren Antworten eingeholt, dann wird das Design zu hundert Prozent beliebig, unklar. Die Texte werden schwammig. Der Auftraggeber (Sie) wird unzufrieden und spielt Gestalter, greift sogar in Details ein. Was nicht Ihr Job ist. Sie tun damit das, wofür Sie Ihr gutes Geld hinlegen: Sie machen unsere Arbeit …

Die unangenehme Folge: unendlich viele Änderungsschleifen, teures Nachdenken erst anhand teurer fertiger und immer wieder umgeworfener Gestaltungen, Kostenüberschreitung, Unzufriedenheit, null Bock aller Beteiligten, Projektverschleppung, schlechtes (= irrelevantes, nicht zugespitztes Design, irrelevante Texte, die nicht auf dem Punkt sind).

Wenn Sie es nicht schaffen: Eine gute Designagentur wird Sie darin unterstützen, Ihre Einzigartigkeit, Ihr Profil genau und verbindlich zu formulieren. Bevor sie mit einem Kostenangebot um die Ecke kommt und bevor sie Kreation beginnt. MISSING LINK formuliert Profile.

 

 

 2. Schritt: Mindset Money for Nothing! Beide Seiten denken heimlich, Design ist keine richtige Arbeit.

Die Vorstellung von kreativer Arbeit als Nichtarbeit ist weit verbreitet. Wer einmal eine gewisse Zeit in einer Agentur verbracht hat, sieht jedoch, dass die Menschen dort hart arbeiten. Die Zeiten von Mad Men und ihrer lässigen Martinis während der Arbeitszeiten sind definitiv vorbei. Design, Gestaltung, Text sind beinhartes Handwerk. Es ist nicht schlimm, dass Leute auf der Straße so denken, Designer sind das gewohnt. Wenn jedoch der Auftraggeber das denkt und es auch zeigt, kann dieses Mindset zum Problem werden und das Projekt zum Scheitern bringen.

Wie: Ein solcher Auftraggeber neigt dazu, Kreatives entweder als puren Zufall, als zufällige Leistung unter der Dusche, oder als digitale Knopfdruck-Sache zu betrachten. Das kann er notfalls auch, ist er fest überzeugt. Daher ist er weder bereit, ein realistisches Budget zur Verfügung zu stellen noch die entsprechenden Fragen zu beantworten, die er für überflüssige Neugierde von unbefugten Unternehmensfremden hält.

Das sabotiert den geerdeten Start eines Designprojekts und lässt es krachend scheitern. Nicht jeder Designer traut sich, ein derart schlecht unterfüttertes Projekt, das schlechte Ergebnisse und Unzufriedenheiten auf beiden Seiten erzeugen wird, abzulehnen. Weil auch mancher Designer immer noch denkt, vielleicht ist sein Beruf keine richtige Arbeit …

 

3. Schritt: Keiner tut den Job, den er soll. Der Designer macht Strategie, der Auftraggeber übernimmt die Kreation.

Es gibt nicht wenige Projekte, bei denen dem Designer keine unternehmerische Strategie, keine planvolle Ausrichtung mitgeteilt wird. Oder einfach keine zu existieren scheint. Aus Notwehr, damit er seine eigentliche Arbeit machen kann, „formuliert“ der Designer die von ihm erfühlte Strategie im Re-Brief aus.

Das Unternehmen winkt das Traktat ungeduldig durch. Weil es ihnen nicht wichtig ist und sie nicht verstehen, warum es wichtig ist. Scheitergefahr: Ist die ausformulierte Strategie als Basis der Gestaltung falsch, wird sie vom auftraggebenden Unternehmen nicht gelebt, dann sendet das Design falsche Botschaften. Das Projekt wird vom Auftraggeber wie von der Designagentur komplett an die Wand gefahren. It takes two to tango.

 

Umgekehrt kommt es nicht unselten vor, dass der Auftraggeber seinen persönlichen Geschmack stattdessen für die strategische Ausrichtung hält.

Der Old-School-Marketeer-Geschichte vom Wurm und vom Angler hört er gequält zu, um schnell zu seinen Korrekturen zu schreiten. Denn er hat das Design schließlich bezahlt.

Es beginnt eine Kette von ärgerlichen Missverständnissen: Der Designer versucht zu retten: so etwas wie eine gefühlte strategische Ausrichtung im Design durchschimmern zu lassen – der Auftraggeber seinerseits versucht zu retten, indem er seinen persönlichen Geschmack hineinkorrigiert. Scheitergefahr: Ein solches Design hat rasch keine eigene Linie mehr. Dem Auftraggeber mag es eine Zeitlang sogar gefallen, weil das meiste von ihm stammt – doch das Design ist unklar ausgerichtet, ihm fehlen die klaren Botschaften, es ist einfach nur das: geschmäcklerisch. Oft auch peinlich. Es funktioniert damit nicht wie es soll. Wie sich in der Praxis herausstellt. Es wird bald eine neue Designagentur beauftragt … same game.

 

Wann Designprojekte für beide erfolgreich werden:

Nur mit Respekt und Reflektion. Meiden Sie überbrave Designer. Respektiert den Wert von Design, respektiert euch gegenseitig bis zum Schluss, macht jeder seinen Job wie er soll und verwechselt nicht Strategie mit persönlichem Geschmack.

 

 

 

 

 

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