Massenanfragen sind bei seriösen Agenturen extrem unbeliebt, kosten sie nur Zeit, Geld und Nerven. Warum sich bei manchen dieser Anfragen sogar Schraubenfabriken tot lachen würden, erfahren Sie hier in diesem Artikel.

 

Situation: Es kommen immer häufiger begrifflich völlig unbrauchbare* standardisierte Kostenanfragen rein, bei denen schwer zu erkennen ist, wer genau dahinter steckt und um was es genau geht. Man steht als Agentur da und rätselt. Massenanfragen sind Spam. Seien Sie kein Massenanfrager. Wir antworten Ihnen dann nicht mit einem umgehenden Kostenangebot.

Wie kommt es zu diesem Phänomen?

Ganz einfach, genauso wie es das Internet erst in großem Stil möglich gemacht hat, Inhalte zu duplizieren, kann man das Mailprogramm verwenden, mit einem einzigen Tastendruck pauschale Anfragen an viele Empfänger zu verschicken. Strenge Gemüter nennen das auch Spam. Denken Sie an den durchgestrichenen Hai oben in unserem Header.

Der Gestalter am anderen Ende freut sich natürlich zunächst, so viele herrliche Anfragen zu bekommen. Denn warum hat er sich die Mühe gemacht mit einem funktionierenden Internetauftritt. Er will nicht nur säen, er will ernten. Endlich Anfragen. Er weiß nicht, wie viele andere Gestalter das auch bekommen haben. Aber er ahnt es. Indiz: In der Mail steht zu 99% „Sehr geehrte Damen und Herren, …“; manchmal sogar nur „hallo“– hallo kleingeschrieben. What the fuck. Und das nächste: Wie kann man lediglich anhand von vagen Kostenpauschalisierungen eine Agentur, einen Gestalter auswählen wollen?

 

Der hoffnungsvolle Gestalter hat die Rechnung nicht mit dem Wirt gemacht.

Unternehmen (der Wirt), die wenig Erfahrung oder Gefühl dafür haben, wie man die Referenzen und Leistungsangebote von Agenturen bewertet und vergleicht, gehen oft nach dem einzigen Indikator, den sie kennen und können: Kosten. Wie soll man ihnen das verwehren?  Zumal sie geschickt genug sind, die fortgeschrittenen Wohltaten (bcc) ihrer Mailprogramme zu nutzen.

 

Haben die Agenturen, die Gestalter schuld? Weil sie ihre Leistungen zu wenig erkenntlich machen?

Ja und nein. Ja, weil viele Agenturen ihr Profil und ihre Kosten-Liga nicht kenntlich machen, weil sie sich nicht bemühen, eine Marke zu werden. Eine Marke ist man nicht schon, nur weil man ein Logo hat. Wer kein Profil hat, fördert als Agentur den grassierenden Unfug, pauschalisierte Kostenangaben als Haupt-Indikator wahrnehmen zu wollen.

Nein, weil es einige Agenturen gibt, die sich aufrichtig bemühen, ein Profil zu haben. Und zwar nicht nur eins nach ihrem technischen Können wie „Wir sind Spezialist in Broschüren.“ Oder spitz nach ihrem inhaltlichen Können wie „Wir können Health Care.“ Sondern ein Profil, aus dem Haltung, Stil und Besonderheiten sofort hervorstechen. Dazu haben aber nur wenige Agenturen den Mut. Zum Beispiel the missing link. Wir kriegen dennoch Massenanfragen. Weil Massenanfrager nicht einmal das kleinste Fitzelchen eines Website-Angebots lesen (Websites sind ja nur blödes Blahblah), Referenzen auch kaum aufrufen (die können sie fachlich nicht interpretieren), sondern nur die E-Mailadresse des Impressums. Fatal.

 

Traffic-Rätsel gelöst

SEO-Rätsel: Das Impressum hinten ist bei vielen B2B-Websites die am häufigsten aufgerufene Seite. Gibt keinen Sinn? Die wirklich interessanten Dinge und die tollen Keywords stehen doch vorne, verdammt? Falsch gedacht. Auflösung: Der Massenanfrager liebt nur den Hintereingang, das Impressum. Er liest kaum anderes, die tollen inhalts- und faktenreichen Texte vorne kann man sich bei ihm schenken. Die kennt er kaum. Denn er will nur irgendeine E-Mailadresse. Von z. B. alle „Agenturen, München“. Davon, liebe Leute gibt es ca. 300. Und es gibt in München ca. 600-1200  freiberufliche Einzel-Gestalter. Ein Spam-Fest.

 

Welche Vorteile haben professionell standardisierte Anfragen für anfragende, professionelle Unternehmen?

Zunächst mal viele. Wenn es um den Einkauf von Schrauben geht.

Man führt und pflegt z. B. laufend Adressen von gelisteten Anbietern, die alle den gleichen Ping mit den gleichen präzisen und fürs Unternehmen bequem vergleichbaren Angaben bekommen. Wer von den Angefragten passende Kapazitäten hat, wird sich mit einem passenden Kostenangebot melden. Ist sehr o. k. .

Es ist Ihr gutes Recht – die Schreiberin versteht jeden, der langatmige Prozesse automatisieren will. Dennoch: Die Kosten- und Zeitersparnis einer solchen Anfragetechnik schrumpft um ein Vielfaches, wenn es um weiche Dienstleistungen geht. Sie schrumpft nochmals stark, wenn man mit Angaben geizt und unprofessionell unpräzise bleibt. Sie kann damit am Ende sogar nachteilig sein und mehr Nachkorrektur-Aufwand bedeuten als wenn man konventionell gesucht hätte.

 

Dienstleister sind keine Schraubenfabrik. (Außer: Sie lassen sich zu einer machen. Das ist dann ihr ganz persönlicher Weg in die Hölle.)

Bei weichen Dienstleistungen kann man nicht alles standardisieren.

 

* Was sind unbrauchbare Angaben?

Unerfahrene Anfrager schreiben z. B. in ihre Positions-Tabelle rein: „Text“. Dazu soll man Kosten machen? Diese Angabe ist für eine Agentur vollkommen unbrauchbar.Wie viele Textseiten, wofür die Texte, Zielgruppe schon erarbeitet? Oder muss noch? Wording vorhanden? Oder nicht? etc. Das generiert deutlich verschiedene Preise. Selbst der Schraubenhändler will wissen: Stückzahl, welche Länge, welche Gewindesteigung, welches Metall, Messing, Stahl, welcher Versand, Liefertermin wann, oder was? Alles preisrelevant, auch Eiltermine. Wenn keine zusätzlichen Informationen da stehen, dann kann keiner Preise machen. Bei der ganz platt hingeschriebenen Position „Schrauben“ – ohne weitere Angaben – auch nicht die Schraubenfabrik. Sie wird sofort sagen: Diese Anfrage ist unbrauchbar. Aber eine Agentur soll das können? Und wenn sie sich vernünftigerweise weigert, Fragen hat, ist sie arrogant, versnobt? Hallo? Irgendetwas läuft schrecklich schief im Bewusstsein solcher Anfrager. Noch schlimmer: die Position „CMS/Website“. Steht einfach so da ohne Angaben zu Zielen, zu gewünschten Funktionalitäten, zu SEO, SEM und ohne Angaben über Umfang, Mehrsprachigkeit, Bildbearbeitung, usw. Was zur Hecke. Ich könnte stundenlang so weiternörgeln.

 

Was der (meist hoch unprofessionelle) Massenanfrager wissen sollte: Garbage in – garbage out!

Was nicht einmal die angefragte Schraubenfabrik macht, machen schlechte Agenturen und die, die es nötig haben: Sie lassen sich auf unbrauchbare Angaben ein. Sie klatschen irgendeinen Preis rein (um sich Zeit zu sparen, weil sie wissen, es wird voraussichtlich eh nichts –  man macht sich daher keine allzugroße Mühe). Wenn sie es ganz arg nötig haben, klatschen sie sogar einen Dumping-Mondpreis rein. Derart erzielte Zeitspar- oder gar Mondpreise sind aber niemals brauchbare Indikatoren zum Evaluieren. Sie stimmen nicht einmal ein kleines bisschen, nicht einmal als grobe Hausnummer. Ein Vor-Agenturscanning nach pauschalisierten Kosten durchzuführen klingt erstmal rational und vernünftig, hat aber genau diesen einen entscheidenden Denkfehler. Weil man nicht weiß, wie gute oder schlechte Agenturen wirklich ticken.


Ziel nicht erreichbar

Das Ziel der maximalen Kosten-Vergleichbarkeit kann nicht erreicht werden, wenn es in hohem Maße Interpretationsspielräume bei wichtigen einzelnen Positionen gibt.

Man muss sich gut überlegen, will man das. Oder ob es nicht bessere Wege gibt, zu einer guten Agentur zu kommen.

Die gibt es. Mehr dazu später.

 

Viele Agenturen antworten gar nicht. Sie machen nicht einmal Rückfragen.

Massenanfragen sind bei seriösen Agenturen extrem unbeliebt, kosten sie nur Zeit, Geld und Nerven. Da sie oft amateurhaft sind, selten feedbacken und noch seltener brauchbar antworten. Nicht selten sitzt eine unerfahrene Assistentin am anderen Ende oder gar ein gänzlich fachfremder Mensch, der kein Gramm vom Agentureinkauf versteht, sich aber Projektmanager schimpft.

Eine Agentur hat bei diesem Verfahren hohe Unkosten bei noch weniger Ertrag als bei Pitches. Denn bei Pitches hat sie es nur mit 3-5 Agenturen zu tun. Bei solchen Massenanfragen mit (n) Agenturen. Auch Agenturen wägen ab. Hohe Unkosten: Ein brauchbares, solides Kostenangebot hat großen Zeitaufwand. Es macht sich IMMER Gedanken ums ganze Konzept und ist nicht in einer halben Stunde per Software herausgerotzt, sondern braucht in der Regel mindestens 4 Stunden, manchmal Tage. Und nein, eine gute Agentur hat keinen Standardpreis für alle Namensentwicklungen dieser Welt, den sie einfach so da so ausfüllen wird. Und sie wird ihn garantiert nicht mit den Kosten für die Logoentwicklung zu einer einzigen Position vereinen.

 

Was passiert, wenn man als netter Mensch vagen Massenanfragern dennoch feedbackt und freundlich versucht zu erklären, warum man wesentlich mehr Informationen braucht?

Interessante Dinge passieren da:

1. Die Anfrager sind häufig weder telefonisch noch per E-Mail erreichbar. Mission impossible.

2. Anfrager ist erreichbar, ist aber barsch und patzt zurück, womit man denn ein Problem habe. Man wolle doch nur ein paar Hausnummern-Preise. Er beschwert sich auch, falls man ihm gemailt hat. Da musste er dann tatsächlich das Mail lesen und das hat ihn zu viel Zeit gekostet. Plonk!

3. Anfrager ist erreichbar und hört freundlich zu, scheint aber nicht zu verstehen, warum es einen Kosten-Unterschied machen soll, wenn er präzisiert, wie viele und welche Art Texte er meint; wenn er präzisiert, wie groß der Umfang und die Funktionalitäten der Website sein sollen; wenn er endlich präzisiert, ob die Namensfindung nun deutsch oder international sein soll. Ob Markenrecherche dabei sein soll. Markenre … was?

Er versteht einfach nicht. Aber macht in München gerade eine große Welle mit zu vielen Agenturen. Unprofessionell.

Fazit:

Rein statistisch gesehen ist es für eine Agentur hoch frustrierender, Zeit und Geld fressender grober Unfug, sich jemals auf solch unprofessionell standardisierte Kostenanfragen zu melden. Eine Schraubenfabrik würde sich tot lachen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag!