Designers Liebling: der Beratungstourist

Sparen ist eine deutsche Primärtugend.

In einer Zeit, in der beinhartes Geldzusammenhalten eine deutsche Primärtugend ist, um sich früher den nächsten Plasmafernseher leisten zu können, suchen vermehrt zahlungsunwillige Designfreunde nacheinander gern mehr Designbüros als nötig auf, um sich fürs Selbstbasteln aufzuschlauen. Das kann man als „Beratungstourismus“ bezeichnen.

Von jedem angesprochenem Designbüro erhalten sie in den lässigen Plaudergesprächen hochinteressante fachliche Infos, noch bevor ein Honoraranspruch entsteht. Die jeweilige Designagentur bemüht sich ja im Gespräch, einen echten neuen Kunden zu bekommen. Und tut im Eifer des Gefechts ihr Bestes, um zu beweisen, was sie drauf hat.

Wenn die Details konkret werden, ziehen sich diese Interessenten jedoch zurück  –  manchmal sogar mit der empörten Aussage, wie komplex das alles sei und man solle doch in ihrer Sprache sprechen, zu schwierig, unerhört, so arrogant … – und begeben sich flugs mit dem erweiterten Horizont zum nächsten Designbüro.

 

Jetzt wird es interessant.

Irgendwann mitten im angeregten Geplauder des Erstkontakts wird es jedoch konkret. Der danach eingeladene Grafikdesigner oder Kundenberater beginnt, weil es sich gerade so ergibt, verwertbare und geldwerte Informationen zu geben, um einen Sachverhalt wirklich transparent zu machen. An so einer Stelle sollte das Designbüro einen Stopp einlegen und auf die Möglichkeit eines Erstberatungshonorars aufmerksam machen. Leider wird diese rote Ampel sehr oft im Eifer des Gesprächs und des Beweisenwollens überfahren.

Gut, einem Küchenstudio passiert das auch, auch wenn es strikt auf eine zu honorierende Küchenplanung verweist. Der Eifer lässt einiges durchrutschen. Aber das ist noch nicht weiter schlimm.

 

Eigenes Erleben

Die Schreiberin dieser Zeilen hat jedoch schon erlebt, dass sie eine sehr rüde Absage bekommen hat, das wäre alles sehr unsympathisch gewesen, man hätte sich deswegen für eine sympathischere Agentur entschieden. Bei einem späteren Nachrecherchieren aus Interesse, welche Agentur denn nun den Zuschlag bekommen hat (man will ja aus Misserfolgen lernen), sieht man, dass sie gar keine Agentur genommen haben. Das Ding genau nach meinen Anregungen in-house in Eigenregie gebastelt haben. Ein Designer sieht das. Grafische oder konzeptionelle Mängel sahen sie nicht. Es gab da genug.

Am Ende hatten sie – ohne je ein Design bezahlt zu haben – sich umfassend informiert gefühlt.
Weil ihnen jedoch die Grundlagen aus Studium und Expertise fehlten, war es deutlich noch nicht rund. Es ist ein Schaden entstanden.

Aber Hauptsache man hat gespart.

Es ist Ihre Entscheidung, wie Sie es haben wollen.

 

 

 

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