Moderne Zeiten

In der modernen Geschäftswelt wird aggressives und linkes Verhalten oft als unerlässlich angesehen. Wenn einer eine Regel übertreten hat, erwartet man von Ihnen, dass Sie ihn anbrüllen? Wenn jemand Sie gelinkt hat, erwartet man, dass Sie sich wehren, indem Sie ebenfalls link sind?

 

Zurück im knallharten Ponyhof

Einmal wieder zurück in meiner oberfränkischen Heimat, einem Hort der Verlässlichkeit und der gut gepflegten großen Hausgärten, bin ich konfrontiert worden mit der Meinung (der keiner in der Runde widersprach), dass „ … ein Geschäftsmann schon auch mal ein bisschen link und aggressiv sein muss, sonst wäre er kein Geschäftsmann, sondern ein Verlierer. So sei das Geschäft nun mal.“  [Und wie ist das mit Geschäftsfrauen? habe ich nicht gewagt zu fragen, weil ich den verwandtschaftlichen Frieden nicht gefährden wollte. Sollen die sich auch aggressiv aufführen?]

Egal. Tatsache ist, dass der Designer häufig mit linkem oder zumindest grobschlächtigem Verhalten zu tun hat. Oder mit Unfriendly Hard Buying. Vor allem von größeren Agenturen, bei denen er mit Reibungshitze ein manches Mal derart über denTisch gezogen wird, dass er das für menschliche Wärme hält.

 

Des Dienstleisters Dilemma

Selten ist es gut, wenn er so etwas retourniert oder gar initiiert. So ein Verhalten wird immer eng mit seiner eng persönlichen Dienstleistung verbunden gesehen und sie soll doch bitte kommunikatorisch überzeugend, inspirierend und attraktiv sein. All so auch soll sein/ihr Geschäftsgebaren sein. Tatsächlich sind viele Grafikdesigner, die ich kenne, sanft in Geschäftsdingen. Ist dieses Nischendasein als die „Netten“ für sie eine Falle oder eine Chance? Kommt die neue Zeit des Geschäftemachens, in der man authentisch und ohne Tricks seine Dienste anbieten und erarbeiten kann und darf, ohne sofort zu Beginn als Loser, als Versager eingeschätzt zu werden, der nur nicht tough genug ist?

 

Old School still living?

Oder ist der Niedergang der „Old School“ mit seinen harten Gangarten, Tricks, Crashs, Bailouts und lügnerischen Derivaten, der überall zu bemerken ist, nur eine vorübergehende Schwäche einer Wirtsschaftsform, für die es keine Alternative gibt?

Was meinen Sie?

Ihre Vroni Gräbel, Dipl. Des. (FH)

 

PS: Loser schreibt man nicht mit zwei „o“.

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