Was bei Werbung, dem Motor unserer Wirtschaft, falsch läuft

 

 If you talked to somebody the way advertising does, he’d punch you in the face.

Werbung als korrekt wertvoller Wirtschaftsfaktor und Motor der Bedürfnisse. Schonauchsicher.

 

Blick in das Innere des Kraftwerks

Werbung als Motor der Wirtschaft. Nur die Wahl zwischen zynisch fördern oder bekämpfen? Wie wäre es mit: besser machen. (Abb.: Blick in das Innere eines Kraftwerks.)

 

Denn man weiß nicht,

ob wir es unter der – werbefreien – Diktatur der Roten Khmer gemütlicher hätten. Braucht es aber diesen kranken, hassenswerten Flachfasel, der uns von überall bis ins Damenklo anspringt?

MISSING LINK will und macht Texte und Botschaften, die nicht krank sind. Sondern klug, intelligent, direkt. Denn muss Werbung – wenn sie denn muss – wirklich soo deppert, so damisch, so hülsenhaft, so aufdringlich sein?

Das habe ich mich damals verzweifelt als gestresster Junior Art Direktor gefragt, dem auf einen Schlag unfreiwillig gleichzeitig drei Groß-Etats aufgehalst wurden, weil zwei andere Senior Art Direktoren aus Feigheit vor dem Feind stiften gingen.

Das frage ich mich zornig als alter Kämpfer immer noch. Der sich wegen deren fortgesetzter  Phrasendrescherey endlich 2001 aus den Werbeagentur-Mühlen verabschiedete.

 

Aber was passiert?

Es kommen zu mir jetzt KMU-Kunden, die genau diesen Hohlfasel wollen, der in den 90ern von genau diesen Großkonzernen kultiviert wurde  – und von mir als kleines System-Zahnrädchen mit, zugegeben. Sie haben jetzt kulturell ‚gelernt‘, dass das ‚pfiffige Werbung‘ mit ‚pfiffigen Texten‘ sei. Ich sehe das an ihren Briefings. Briefings sollen den Designer mit Fakten informieren, aber was bekomme ich: sie strotzen heutzutage statt vor Info vor hohlen Werbehülsen.

Oder, auch nicht schlecht: Muss es sein, dass der Konsument per QR-Code auf dem Packaging statt auf die halbwegs schöne Verbraucher-Produktseite als Landing Page auf die Seite der öden Vertriebs-GmbH gelenkt wird? Das ist dumm, Verbraucher-Verarschung und Kaputtmachen der Idee QR-Code. Und: Muss es sein, dass man mich dazu zwingt, das so zu machen, obwohl ich deutlich keine Ausführ-Zeichenmaus bin, sondern eine gstandene Geschäftsfrau und vernünftige Argumente habe, die dem Auftraggeber nützen? Wer hat was nicht verstanden? Ich will so etwas nicht, und will nicht gezwungen werden, so etwas zu machen ‚because you have the money‘. Damit wir uns gleich richtig verstehen. Solche Auftraggeber sind Kunden aus der Hölle und ich versuche, sie zu vermeiden.

Sonst komm‘ ich wohl nie raus aus dieser Nummer. Hohldenk ist in die Volkskultur eingedrungen, you stupid. Alternative:  ganz raus aus dieser Branche. Ein bisschen nass geht nicht für einen Designer.

<Wunschponyhof on>: Oder es passiert ein Wunder und Werbung wird ‚intelligent‘. Aber eher geht ein Kamel durchs Faselöhr, eher wird die Datentechnik drumherum ‚intelligent‘ als die Werbung selbst.</Wunschponyhof off>

 

Was kommen wird

Sicher bin ich mir aber jetzt schon, dass es bereits eine – kleine – mittelständische Auftraggeber-Klientel gibt, die ebenfalls nicht so dreckig großkonzernmäßig datenverarschen will, oder zalandoschrei-flach (meist beides) in der Tonality werben will. Die das, was heute „die Großen“ machen, genau nicht als gute Vorlage betrachten. Und genau wie ich Sachen wie Spion-Software wie zurück-scannende Schaufensterpuppenaugen samt Datengrabbing und Datenzusammenführung nicht schätzen, sondern entsetzt sind.

Da war mal was mit Selbstverpflichtung, erfolgreiche Positionierung als anständiges Unternehmen, Corporate Identity und CSR. Wenns denn keine hohlen PR-Floskeln, White- und Greenwashing sind, sondern sie wirklich nachhaltig sein wollen. (Leider auch so ein Sch**-Buzzwort geworden). Man sollte sie als Werber/Kreativer/Medienjournalist wahrnehmen, unterstützen und ihnen nicht mit flapsigem „mittlerweile voll nooormal ey“ kommen. Meine 2 Zimtkekse.

Ich wünsche meinen Lesern ein frohes Fest! Kommen Sie gut übers Jahr.

 

Vroni Gräbel

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